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Mittwoch, 31. Dezember 2014

Das war 2014

Die letzten Stunden des Jahres stehen an und damit wird es auch Zeit für einen kurzen Rückblick in dieses so ereignisreiche Jahr für das Alternative Jugendzentrum Neubrandenburg. Im Vordergrund der Ereignisses diesen Jahres steht für uns natürlich der Hauskauf, aber gehen wir (ein bisschen) chronologisch vor.
Mit über 90 Veranstaltungen 2014, konnten wir auch dieses Jahr wieder die eine oder andere Show auf die Beine stellen und die Veranstaltungszene in Neubrandenburg um einiges bereichern.
Für den Anfang des Jahres 2014 sind vor allem der Vortrag von Dr. Sascha Lange über die Leipziger Meuten zu erwähnen, der einen spannenden Einblick in die Geschichte der antifaschistischen Jugendbewegung in Leipzig zur Zeit des Nationalsozialismus gab und seine Forschungsergebnisse vorstellte. Einer der besten und meistbesuchtesten Vorträge seit langem. Auch das Queer Film Fest aus Rostock war Anfang 2014 bei uns zu Gast und zeigte einen Abend lang queere Filme. Das landesweite Filmfestival war zum ersten Mal auf Tour durch MV, um die Zugangsmöglichkeiten über Stadtgrenzen Rostocks zu erweitern - wir freuen uns auf einen weiteren Besuch 2015!
In Richtung der wärmeren Monate wurde nicht nur die Situation um das AJZ immer heißer, auch auf unserem Hof ging es heiß her. Nachdem OB Paule und sein Ordnungsamt uns die schönste Zeit im Jahr (jaja, das PunxPicnic) mit lustigen Vorschriften, wie auf dem gesamten Hof Rauchverbot oder anderen Schmankerln kiesig machen wollte, hatten wir erneut das wohl schönste Punkertreffen des Nordens auf unserem Gehöft am See. Das dritte Jahr in Folge - 3 Tage Ausnahmezustand! Diese Tradition wollen wir nicht brechen, 2015 kommt, ein viertes PuPi auch. Jaja, Kartenvorverkauf und alles andere sollte schon längst laufen - aber wie auch immer, kommt Zeit kommt Vorverkauf. Alles dazu, auch in Zukunft, unter: punxpicnic.ajz-nb.de
Na ja und was war nach dem PunxPicnic? Schnell mal das Haus gekauft, wisst ihr ja. Na ja, so einfach wie geschrieben, funktionierte das leider nicht. Seit Jahren hatten wir ja immer mal wieder überlegt, den Schuppen zu kaufen - aber wer wusste das schon: Hält das Haus das überhaupt aus? Ist es das Geld überhaupt wert? Macht das Projekt denn noch einen Sinn? Kommen in 10 Jahren denn noch Leute? Was kostet eine Rolatorrampe? Und was sagt eigentlich die Neubrandenburger „Tourismus Branche“ dazu? Fragen über Fragen, Zweifel über Zweifel. Zugegeben, die eine oder andere Frage, auch den einen oder andere Zweifel könnten wir noch nicht so ganz über den Haufen werfen, eins war uns aber klar: Aufhören können wir erstmal nicht. Als sich also im Juni die Lage um das AJZ zuspitzte, das Haus unserer insolventen Verpächterin verkauft werden sollte, mussten wir handeln. Innerhalb von 2 Wochen haben wir in einer schnell aufgezogenen Kampagne nicht nur unglaublich viel Zuspruch, viele schöne Fotos (http://www.stoerungsmeldung.info/ajz/v5/index.php?inhalt=galerie&kat_id=39)) und Support-Songs erhalten, sondern mit über 250 Einzelspender_innen über 45000€ Spenden sammeln können. In zwei Wochen! An unserer Demo, die unser Anliegen öffentlich machen sollte und Druck auf die unbekannten Bieter_innen im Verfahren ausüben sollte und die Stadt aufgerufen hat, eine politische Lösung zu finden, beteiligten sich ca. 500 Teilnehmer_innen - nach nicht mal einer Woche Mobilisierungszeit. Plötzlich befanden wir uns im Fokus der regionalen Medien, es gab landesweite Radioberichte, Interviews mit Zines und dem Nordkurier. Nach 20 Jahren AJZ sollte dieses Projekt in Neubrandenburg kein Ende finden und die zahlreiche Unterstützung, die Solidarität hat uns klar gemacht, dass es für unsere Region wichtig ist, was wir tun.
Am 09.07.2014 um 13 Uhr war es dann soweit, die Fakten lagen auf dem Tisch und unser befreundeter Verein zur Förderung antifaschistischer Kultur e.V. (VFAK) hat beim Insolvenzverwalter den Zuschlag erhalten. Die Korken knallten - nicht nur in Neubrandenburg, sondern auch in Rostock, Schwerin, Berlin, Greifswald, Stralsund oder Kolumbien, Schweden und überall dort, wo uns Menschen unterstützten, mitfieberten und mitfeierten. Zum 21. Geburtstag des AJZ und mit dem ersten Konzert im zugesagten Haus, feierten wir eine fulminante Party mit Slowy und 21 Flaschen Sekt! Wohl die beste Feier des Jahres! Der ganze Formalakt, der uns nun heimsucht, dauert natürlich ein bisschen, deswegen gab es auch so lang keine Neuigkeiten zum Hauskauf. Offiziell gehört das Haus noch nicht dem VFAK, im Januar ist aber nun endlich der Beurkundungstermin angesetzt.
Nachdem aber der ganze Stress rund um die Kampagne, das Auftreiben der Kohle und der ganzen Treffen vorbei war, haben wir uns einen schönen Sommer gemacht. Natürlich gehörten auch hier wieder das AJUCA und die Fusion zu unseren Lieblingsevents, die wir tatkräftig supporteten. Der Ende des Sommers brachte uns eine Premiere ein - wortwörtlich. Zum ersten Mal arbeiteten wir mit der dokumentArt, dem jährlich stattfindenden internationalen Dokumentarfilmfestival in Neubrandenburg, zusammen und zeigten zwei Filme im AJZ - den Film „Everyday Rebellion“ sogar einen Tag vor Kinostart in Deutschland.
Im Herbst hatten wir Neuauflagen von bereits regelmäßig laufenden Veranstaltungen zu Gast. So zum Beispiel unsere Freunde von der Meeresrauschen Crew, mit der zweiten Auflage von „Wuppen im Schuppen“ oder die harten Tastendrücker, mit der zweiten Auflage des HipHopMassakers. Auch 2015 werden sie sicher wieder die ein oder andere Perle zum Besten geben.
Ein weiteres Ereignis im Herbst hat uns bewegt: Die Besetzung der Brinke 16-17 in Greifswald. Aktivist_innen versuchten ein Greifswalder Haus vor dem Abriss zu retten. Auf dem Gelände sollen Eigentumswohnungen gebaut werden. Letztendlich wurden unsere Genoss_innen unter massiven und unangemessenem Polizeieinsatz geräumt, es wurde mit Abrissarbeiten begonnen, obwohl sich noch Menschen im Gebäude versammelten. Unsere Solidarität gilt allen, die versuchen, sich das zu nehmen, was ihnen gehört, die versuchen zu bewahren, was wichtig ist. Wir werden nach wie vor unsere Greifswalder Genoss_innen unterstützen.
In Richtung Jahresende haben wir uns an verschiedenen Kampagnen beteiligt, die zum Teil immer noch laufen. So sind wir Teil der Kampagne „NachtLeben für Rojava“ - ein Zusammenschluss von Clubs, Diskos, Restaurants und Bars, die durch Spendenboxen oder Preisaufschläge Geld für die selbstverwaltete kurdische Region Rojava sammeln. Außerdem haben wir 11 Pakete zur „MV für Kobanê“ Kampagne beigesteuert, die vor kurzem nach Kobanê gefahren wurden - insgesamt kamen zwei LKW Ladungen Winterklamotten, Schuhe und andere wichtige Waren zusammen.
Kurz vor Weihnachten waren wir außerdem Teil einer Kampagne des MediNetz aus Rostock und sammelten Weihnachtsgeschenke für Refugee Kids in Geflüchtetenunterkünften in MV. Es kamen so viele Pakete in Neubrandenburg und Rostock zusammen, dass alle Unterkünfte in MV „beliefert“ werden konnten.
Die letzten Tage des Jahres verbrachten und verbringen wir beim jährlichen Kickerturnier, der großen Diskobescherung, dem alljährlichen Geknüppelkonzert am 26. Dezember und heute Abend bei der apokalyptischen Silvesterparty.
2015 wird ein nicht minder spannendes und ereignisreiches Jahr für uns. Die letzten Formalakte des Hauskaufes stehen vor der Tür, der Infoladen „…Stunk!“ wird nach Renovierung und Neukonzeptionierung nun endlich seine Neueröffnung feiern, das Haus kann einige Feinschliffe, Trockenlegungen und Reperaturen vertragen, das PunxPicnic geht in die vierte Runde, unsere Geburtstagsfeier in die 22. Runde und und und.. Wie auch immer, wir bleiben erstmal am See, vermutlich auch die nächsten 22 Jahre.
Nicht zu letzt gilt es gerade nach diesem Jahr nochmal vielen vielen Menschen herzlichst zu danken - für Unterstützung, Solidarität und Beistand. Das gilt für all unsere über 250 Spender_innen für den Hauskauf, das gilt für all unsere Pat_innen, das gilt für all unsere Gäste auf Konzerten, Diskos und Vorträgen, das gilt für all unsere Nachbarn aus der Seestraße, die auch ab und zu beim Spaziergang zu uns finden, für alle Bands, die bei uns spielen und das gilt auch für alle, die jede Woche viel Zeit und Kraft investieren, um unseren Laden tagtäglich, Woche für Woche und Monat für Monat am Laufen zu halten. Danke für dieses gute Jahr 2014!